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Arteriosklerose
Praktisch bei
jedem Menschen entwickelt sich im Laufe des Lebens in
irgendeinem Gefäßabschnitt der arteriellen
Strombahn eine mehr oder minder ausgedehnte Arteriosklerose.
Pathologisch-anatomisch finden sich folgende Veränderungen:
die Gefäßwand ist verhärtet, die natürliche
Elastizität fehlt, und nach Eröffnung des
Gefäßes wird die starke Einengung des Gefäßlumens
erkennbar. In der Intima, der innersten Gefäßwandschicht,
fallen herdförmige Ablagerungen von Fett-Eiweißkörpern,
sog. Lipoproteinen, Bindegewebsfasern und Cholesterin
auf. Man spricht von sog. arterio-sklerotischen Plaques.
Bricht ein solcher Herd auf, entsteht ein arteriosklerotisches
Geschwür in der Gefäßwand. An diesem
lagern sich bevorzugt Blutgerinnsel ab, die dann langsam
oder akut zu einem kompletten Gefäßverschluss
führen. Die von der Arteriosklerose am stärksten
betroffenen bzw. gefährdeten Organe und Körperabschnitte
sind:
 Herz:
koronare
Herzkrankheit,
 Gehirn:
Schlaganfall,
 Niere:
Arteriosklerose, Schrumpfniere,
 periphere
Gefäße: arterielle Verschlusskrankheit,
 Auge:
Netzhautschädigung (bis zur Erblindung),
 Darm:
Darminfarkte durch Verschlüsse von Mesenterialarterien.
Aneurysma
Als
Aneurysma bezeichnet man eine umschriebene, meist asymmetrische
krankhafte Wandaus-buchtung eines vorgeschädigten
arteriellen Gefäßes, meist der Brust- oder
Bauchaorta. Unter Dissektion eines Aneurysmas versteht
man einen plötzlichen Intimaeinriss mit Bluteintritt
in die Aortenwand. Diese Wühlblutung kann einen
mehr oder minder langen Falschkanal in der Aortenwand
nach sich ziehen. Die Dissektion eines Bauchaortenaneurysmas
kann unter dem Bild eines akuten Abdomens mit Nierenversagen
verlaufen und führt unbehandelt rasch zum Tode.
Sie sehen beeren- oder sackförmig, kahnförmig,
geschlängelt oder rankenförmig aus und entstehen
an Stellen, an denen die Gefäßwand geschwächt
ist und nicht über eine normale Muskelschicht verfügt.
Diese Schwäche ist angeboren. Aneurysmen können
aber auch durch erworbene Veränderungen in den
Gefäßwänden entstehen, z. B. nach Verletzungen.
Bei Menschen mit einer angeborenen Gefäßschwäche
können sich im Laufe des Lebens Aneurysmen entwickeln
und zwar besonders dann, wenn die Gefäßwände
zusätzlich belasten. Außerdem können
entzündliche Erkrankungen und Infektionen die Entstehung
eines Aneurysmas begünstigen. Dazu können
so unterschiedliche Erkrankungen gehören wie Grippe,
rheumatisches Fieber oder Eiterherde im Körper.
Aneurysmen können familiär gehäuft auftreten.
Arterielle Verschlusskrankheit
Als
periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) wird
die Einengung oder der völlige Verschluss einer
oder mehrerer Arterien des Beckens, der Beine und seltener
der oberen Extremitäten bezeichnet. Ursache der
AVK ist vor allem die Arteriosklerose, seltener eine
Endangiitis Winiwarter-Buerger. Betroffen sind vorwiegend
Männer zwischen 50 und 60 Jahren, unter denen sich
auffallend viele Raucher befinden. Die Behandlung der
arteriellen Verschlusskrankheit muss gemeinsam mit dem
Gefäßchirurgen festgelegt werden. Medikamentös
kann versucht werden, durch intravenöse oder intraarterielle
Infusion gefäßerweiternder Substanzen eine
Verbesserung der Durchblutung zu erzielen.
Raynaud-Krankheit
Bei der
Raynaud-Krankheit (akrales Ischämie-Syndrom, vasospastisches
Syndrom) bestehen funktionelle Durchblutungsstörungen
an Händen oder Füßen durch Engstellung
der peripheren arteriellen Gefäße. Die Krankheit
ist nach dem französischen Internisten A. G. MAURICE
RAYNAUD (1834-1881) benannt. Sie betrifft überwiegend
Frauen und ist das klassische Beispiel einer funktionellen
Gefäßerkrankung. Vorkommen Leitsymptom sind
symmetrische, schmerzhafte Gefäßverengungen,
vor allem im Bereich der Finger, aber auch der Zehen.
Die Finger werden blass ("Leichenfinger"),
sie schmerzen erheblich und werden als "taub"
empfunden. Nach Abklingen des Anfalls, der durch Kälte
oder mechanische Irritation ausgelöst sein kann,
tritt eine bläuliche Verfärbung auf. In den
Spätstadien führt die Minderdurchblutung zu
Ernährungsstörungen vor allem der Nägel
(Rissigwerden, Nagelbetteiterungen), ganz selten zu
Nekrosen der Fingerkuppen. Die Basis der Therapie bilden
Kälte- und Feuchtigkeitsschutz. Wechselbäder
sind, wie bei den meisten Gefäßerkrankungen,
schädlich! Die Häufigkeit der Anfälle
kann durch Kalziumantagonisten oder Nitropräparate
(lokal als Salbe oder oral) verringert werden.
Entzündliche
Arterienerkrankungen
Entzündliche Arterienerkrankungen sind
wesentlich seltener als die Arteriosklerose. Die beiden
wichtigsten Formen sind die Thrombangiitis obliterans
und die Panarteriitis nodosa. Die Thrombangiitis obliterans
(Winiwarter-Buergersche Erkrankung) führt zu entzündlichen
Intimaveränderungen, an denen sich Thromben ablagern.
Leitsymptome sind schwere Durchblutungsstörungen
der Arme und Beine, die fast ausnahmlos jüngere
Männer, die starke Raucher sind, betreffen. Typisch
ist der segmentale Befall kleiner und mittlerer Arterien
sowie gleichzeitig das Auftreten von Venenentzündungen.
Bei der Panarteriitis nodosa handelt es sich um eine
schwere, entzündlich bedingte Gefäßerkrankung,
die alle Wandschichten - bevorzugt die Media - mittlerer
und kleinerer äste befällt und zu aneurysmatischen
Ausweitungen führen kann. Gelegentlich können
Knötchen im Bereich der Hautarterien tastbar sein.
Fieber, starke Blutsenkungsbeschleunigung, Eosinophilie,
Lungeninfiltrate, Hypertonie und Neuritiden zeigen,
daß es sich um eine schwere, immunologisch bedingte
Allgemeinerkrankung handelt. Sie wird zum rheumatischen
Formenkreis gezählt. Die Diagnose wird am sichersten
durch eine Probeexzision (PE) aus einem betroffenen
Gefäßabschnitt gestellt. Typisch sind hohe
BSG, Bluteosinophilie und der Nachweis von Gefäßantikörpern.
Die Prognose ist ungünstig. Kortikoide und/oder
Immunsuppressiva (z.B. Azathioprin) können eine
Besserung bewirken.
Thrombose und
Embolie
Die
Bildung von Blutgerinnseln in Blutgefäßen
wird Thrombose, ihre Verschleppung mit dem Blutstrom
in den Kreislauf Embolie genannt. Ein Embolus ist ein
festes Gebilde, das sich nicht im Blutplasma auflöst.
In den meisten Fällen ist dieses "feste Gebilde"
eine Zusammenklumpung von Blutzellen, speziell der Thrombozyten.
Deshalb werden solche Blutpfropfen auch Thrombus genannt.
Löst sich so ein Thrombus, schwimmt er mit dem
Blutstrom mit, bis er in Gefäßbereiche kommt,
sie so eng sind, dass er sie nicht passieren kann. Es
kommt zu einer Embolie, das ist eine Verlegung (medizinisch
für Verschluss) des Gefäßdurchmessers
durch einen Embolus. Die meisten Embolien sowohl der
arteriellen, als auch der venösen Blutgefäße,
werden durch Thromben hervorgerufen. Es gibt aber auch
andere Formen bzw. Materialien, aus dem der Embolus
bestehen kann. Ursprungsort einer arteriellen Embolie
ist vorwiegend das linke Herz, in selteneren Fällen
die Aorta oder die großen Arterien. Lösen
sich hier Thromben, so führen sie häufig zu
einem Verschluss der Hirngefäße, der Gefäße
in den Beinen und der Arterien in den Eingeweiden. Die
Folgen sind dann Schlaganfall, akuter Verschluss einer
Beinarterien oder akuter Verschluss eines Blutgefäßes
in den Bauchorganen, z. B. der Nieren. Arterielle Thromben
entwickeln sich praktisch überall dort, wo die
Arteriosklerose zu Intimaschäden geführt hat,
d.h. an den Herzkranzgefäßen (Herzinfarkt),
Brust- und Bauchaorta, Beingefäßen (periphere
Durchblutungsstörung), Halsschlagadern und Hirngefäßen
(Apoplexie) oder Mesenterialgefäßen (Mesenterialinfarkte).
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