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| Erkrankungen der
Venen |
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Jede Krankheit der peripheren Venen verursacht
zunächst Störungen der Makrozirkulation, die
entweder das extra- oder das intrafasziale Venensystem
bevorzugen oder beide im gleichen Ausmaß betreffen.
Hierzu gehören vor allem die akute tiefe Bein-
und Beckenvenenthrombose sowie das postthrombotische
Syndrom, weiterhin die Dysplasien des Gefäßsystems
und die primäre Varikose. Die genannten Krankheitsgruppen
führen in Abhängigkeit von ihrer Ausprägung
zu pathologischen Veränderungen der regionalen
Kreislaufdynamik, die sich schließlich auf die
Endstrombahn im Sinne von Mikrozirkulationsstörungen
auswirken.
Pathophysiologie
der Venenkrankheiten
Alle Venenkrankheiten,
die eine globale Beeinträchtigung der Härnodynamik
an einer Extremität bewirken, führen zum Symptomenkomplex
der chronisch-venösen Insuffizienz. Dabei spielt
die Erhöhung des peripheren Venendrucks unter dynamischen
Bedingungen eine entscheidende Rolle. Aber auch Veränderungen
der venösen Kapazität und Drainage sowie der
lokalen Strömungsbedingungen in den einzelnen Gefäßen
sind von Bedeutung. Bei der akuten und der chronischen
Venen-Insuffizienz handelt es sich also um eine komplexe
Störung der venösen Zirkulation innerhalb
der Gliedmaße. Als erstes klinisches Symptom tritt
eine Schwellungsneigung unter orthostatischer Belastung
auf. Später kommen Hautveränderungen wie Pigmentierungen,
Dermatolipofasziosklerose, Atrophie blanche und Ulcus
cruris hinzu. Für die einzelnen Venen-krankheiten
sind jeweils typische Konstellationen der physikalischen
Parameter nachzuweisen.
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Varikose
Unter
einer genuinen oder primären Varikose versteht
man die anlagebedingte Wanddegene-ration einer epifaszialen
Vene, die mit Dilatation und Funktionsverlust der Venenklappen
und in der Regel der Vene selbst ein-hergeht. Unter
dem Begriff einer sekundären Varikose wird meist
die variköse Degeneration von epifaszialen Venen
im Rahmen des postthrombotischen Syndromes verstanden.
Im eigentlichen Sinne handelt es sich hierbei um kompensatorische
Venektasien, die als Umgehungskreislauf für subfasziale
Venenverschlüsse dienen und in dieser Funktion
einer Dilatation oder Elongation unterliegen. Varizen,
die bei Patienten mit postthrombotischem Syndrom bestehen,
aber nicht ihre Ursache darin haben, sind keine sekundären
Varizen. Die primäre Varikose wurde früher
als isolierte Krankheit des extrafaszialen Venensystems
definiert (Haeger et al 1974, Klüken 1974). Heute
ist bekannt, daß die Stammvarikose mit zu-nehmender
Schwere und Krankheitsdauer alle Venensysteme der unteren
Extremität beeinträchtigt. In ihrem Endstadium
verursacht sie mit dem persistierenden Ulcus cruris
und dem arthrogenen Stauungssyndrom ein chronisches
Leiden, das bisher inkurabel war und erst in jüngster
Zeit durch die modernen Operationsmethoden an der Fascia
cruris heilbar ist. Heute werden die einzelnen Krankheitssymptome
der primären Varikose in einem dynamischen, morphologisch
und funktionell begründeten Zusammenhang gesehen.
Das hat zu dem Modell der Rezirkulationskreise geführt
(Hach 1993), mit dem sich heute alle Krankheitserscheinungen
der primären Varikose erklären lassen (Aera
der funktionell-dynamischen Betrachtungsweise).
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Rezirkulationskreise der V. saphena
parva
Die Stammvarikose
der V. saphena parva führt zur Ausbildung eines
Rezirkulationskreises. Die Krankheit zeigt in der Regel
aber einen längeren und milden Verlauf, bis es
schließlich aber doch zur Dekompensation mit einer
entsprechenden dermatolo-gischen Symptomatik kommt (Abbildung
1). Der Grund liegt darin, daß normalerweise oberhalb
des proximalen Insuffizienz-punktes noch mehrere Venenklappen
in der V. femoralis superficialis eingeschaltet sind.
Infolgedessen ist auch das rezirkulierende Blutvolumen
geringer als bei einer Stammvari-kose der V. saphena
magna. Trotzdem kann unter ungünstigen Bedingungen
die sekundäre Leitvenen-Insuffizienz entstehen.
Bei der Stammvarikose der V. saphena parva werden ebenfalls
komplette und inkomplette Formen differenziert. Nach
der Position des distalen Insuffizienzpunktes gibt es
drei Stadien (Abbildung 2): Das Stadium I liegt bei
einer Seitenastvarikose der V. femoro-poplitea vor.
Beim Stadium II reicht die Stamm-varikose bis zum distalen
Insuffizienzpunkt an der Wade, wo die charakteristische
konjugierende Seitenastvarikose abgeht. Im Stadium III
zieht die Stammvarikose bis zum Fuß. Das rezirkulierende
Blutvolumen wird um den Anteil vermehrt, der sich im
Stromgebiet der Stammvarikose aufstaut. Es kommt zur
Uberlastung der popliteo-femoralen Achse und damit zur
sekundären Poplitealund Femoralveneninsuffizienz.
Die dermatologischen Komplikationen des chronischvenösen
Stauungssyndroms sind unterhalb des Außenknöchels
lokalisiert oder sie werden durch eine Cockettsche Perforans-Insuffizienz
zur Innenseite in die supramalleoläre Position
dirigiert.
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Abb. 1 Stammvarikose der
V. saphena parva mit dekompen-siertem Rezirkulationskreis
II. Außerdem schwere Seitenast-varikose. Lokalisation
des chronisch-venösen Stauungs-syndroms am
Außenknöchel.
60 jährige Patientin mit einem Krankheits-verlauf
von über 35 Jahren. |
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Abb.2 Stadien einer
Stammvarikose
der V. saphena parva:
a. Stadium I mit Insuffizienz des Saphena-Trichters
und variköser Degeneration der V. femoropoplitea
b. Stadium II mit distalem Insuffizienzpunkt an
der Wade
c. Stadium III mit distalem Insuffizienzpunkt am
Fuß (Außenknöchel) |
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Anamnese und klinisches Bild
Die genuine
Varikose ist ein chronisches Krankheitsbild, das unbehandelt
mit zunehmendem Alter zu einer Progredienz der Ausprägung
neigt. Anamnestisch geben die Patienten meist schon
in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter die
ersten Zeichen einer beginnenden Varikose an, ohne dass
bereits eine chronische venöse Insuffizienz besteht.
Mit fortschreitendem Alter nimmt dann die Ausprägung
der Varikose zu. Bei Frauen kommt es typischerweise
in der Schwangerschaft auf Grund der hormonellen Umstellung
zu einer deutlichen Zunahme der klinischen Bildes der
Varikose. Schweregefühl der Beine im Stehen und
Sitzen sowie im Tagesverlauf zunehmende Odemneigung
im distalen Unterschenkelbereich sind dann die ersten
Zeichen der chronischen venösen Insuffizienz als
Komplikation der Varikose. In der Anamnese des Varikosepatienten
sind zudem Varikophlebitiden und zusätzlich abgelaufene
tiefe Beinvenenthrombosen von Bedeutung. In der Familienanamnese
findet man häufig Krampfadererkrankungen bei Eltern
und/oder Großeltern.
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Abb. 3. Die 4 Stadien
der kompletten Stammvarikose der V. saphena magna
nach Hach:
a. Distaler Insuffizienzpunkt am vergrößerten
Mündung-strichter in der Leiste
b. Distaler Insuffizienzpunkt- Bereich des Oberschenkels
c. Distaler Insuffizienzpunkt am Unterschenkel
d. Distaler Insuffizienzpunkt am Fuß |
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Die variköse Degeneration der V.
saphena magna oder der V. saphena parva wird als Stamm-varikose
bezeichnet. Liegt der proximale Insuffizienzpunkt in
der Krosse, so spricht man nach Hach von der kompletten
Stammvarikose. Komplette Stammvarikose. Je nach dem,
wie weit die Klappeninsuffizienz von der Krosse nach
distal reicht, wird die komplette Stammvarikose nach
Hach bei der V. saphena magna in vier Stadien (Abb.3)
und bei der V. saphena parva in drei Stadien eingeteilt.
Am distalen Insuffizienzpunkt der kompletten Stammvarikose
mündet häufig eine Seitenastvarikose ein.
Diagnostik 
Ziel der
Diagnostik ist es, das Ausmaß und die Ausprägung
der Varikose vollständig zu erkennen und einzuordnen.
Hierzu müssen der proximale und distale Insuffizienzpunkt
und in diesem Zusammenhang Krosseninsuffizienzen und
Perforanteninsuffizienten sowie die Komplexität
des Rezirkulationskreises erkannt werden. Zusätzlich
wird mit funktionellen Methoden die Ausprägung
der varikosebedingten Funktionsstörung erfasst.
Das Ausmaß der erforderlichen Diagnostik hängt
von der Varikoseform sowie von der geplanten Therapie
ab. So reicht in der Regel bei der intrakutanen Varikose
die Basisdiagnostik aus, vor operativen Eingriffen ist
eine bildgebende Diagnostik notwendig.
Basisdiagnostik

Basisidiagnostik
Die Basisidiagnostik umfasst Eigen- und Familienanamnese.
klinische Untersuchung und Dopplersonographie des oberflächlichen
und tiefen Venensystems. Dazu gehört auch der Ausschluss
einer arteriellen Verschlusskrankheit durch Palpation
der peripheren Arterienpulse bzw. durch die dopplersonographische
Messung der peripheren Arteriendrucke.
Anamnese u. Untersuchung. Durch die ausführliche
Anamnese und die klinische Untersuchung in aufrechter
Körperhaltung ist man in der Lage, die Mehrzahl
der varikösen Veränderungen richtig zu erfassen
und einzuordnen. Allerdings können subkutane Varizen,
beispielsweise bei Stamm-varikose der V. saphena magna
im Oberschenkelbereich, die tief im subkutanen Fettgewebe
liegen, klinisch nicht sicher erkannt werden, und auch
die Aussagefähigkeit der klinischen Diagno-stik
für die Frage der Krosseninsuffizienzen und Perforanteninsuffizienz
ist nicht ausreichend.
Dopplersonographie. Diese Lücke schließt
die Doppiersonographie. Mit dieser Methode gelingt in
aller Regel der Refluxnachweis im Bereich der Krosse
der V. saphena magna und/oder parva sowie die Bestimmung
der Refluxlänge bei der kompletten Stammvarikose.
Die genaue morphologische Bewertung der nachgewiesenen
Refluxe im Krossenbereich ist jedoch insbesondere bei
der V. saphena parva oft nicht möglich. Mittels
dieses nicht bildgebenden Verfahrens ist man nicht in
der Lage, eine komplexe anatomische Situation aufzuschlüsseln
und die genaue Mündungshöhe der V. saphena
parva zu bestimmen. Man ist aber sehr wohl in der Lage,
physiologisch und pathologisch zu differenzieren.
Photoplethysmographie. Als funktionelle Screeningmethode
muss auch die Photoplethysmogra-phie zur Basisdiagnostik
hinzugerechnet werden. Mit dieser Methode gelingt in
aller Regel der Nachweis einer funktionellen Auswirkung
der Varikose auf das Füllungsverhalten der kutanen
Venen im Unterschenkelbereich. Es kann für die
Therapieplanung zwischen einer besserbaren und einer
nicht besserbaren chronischen venösen Insuffizienz
unterschieden werden. Wenn wegen der mangelnden klinischen
Relevanz oder wegen anderer Faktoren wie Alter oder
Allgemeinzustand des Patienten keine invasive Therapie
in-frage kommt, reicht in der Regel die Basisdiagnostik
für die Entscheidung zur konservativen Therapie
aus. In allen anderen Fällen stehen zusätzliche
diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung.

Zusatzdiagnostik
Die Zusatzdiagnostik gliedert sich in bildgebende Verfahren
und funktionelle Untersuchungen auf.
Bildgebende Verfahren. Hier steht in der Varikosediagnostik
die Duplexsonographie, evtl. in der farbkodierten Variante,
an erster Stelle. Mit ihr gelingt in der Mehrzahl der
Fälle die genaue funktionelle und morphologische
Beschreibung der Insuffizienzpunkte des Rezirkulationskreises.
Ein Nachteil dieser Methode in der präoperativen
Diagnostik liegt in der unübersichtlichen Dokumentation
von einzelnen Schnittbildern. Ideale Voraussetzungen
sind gegeben, wenn Operateur und Duplexuntersucher ein
und dieselbe Person sind. In Zweifelsfällen ist
die aszendierende Pressphlebographie die Standardmethode
der bildgebenden Diagnostik bei der Varikose. In einzelnen
Fällen wie bei der Seitenastvarikose oder gelegentlich
bei der Stammvarikose der V. saphena parva sowie bei
pudendalen Varizen sollte sie durch eine Varikographie
ergänzt werden.
Funktionsdiagnostik. Im Bereich der Funktionsdiagnostik
kann die Photoplethysmographie durch die Venenverschlussplethysmographie
ergänzt werden, mit der die funktionelle Durchgängigkeit
des tiefen Venensystems dokumentiert werden kann. Die
Phlebodynamometrie steht im Einzelfall zur direkten
Venendruckmessung während eines Bewegungsprogrammes
zur Verfügung. Sie ist eine gute Methode, um zu
entscheiden, ob beispielsweise eine Stammvarikose der
V. saphena magna bei gleichzeitig bestehendem postthrombotischen
Syndrom eine Kollateralfunktion hat oder ob ihr Ausschalten
mit einem Tourniquet zu einer Verbesserung der Gesamtfunktion
führt. Letzteres wäre eine Indikation zur
operativen Ausschaltung.
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Chronische
venöse Insuffizienz
(CVI)
In
der Eigenanamnese geben die betroffenen Patienten meist
eine langjährig bestehende Variko-se und/oder einen
Zustand nach tiefer Beinvenenthrombose an. Es gibt jedoch
eine nicht unerhebliche Anzahl von Patienten, bei denen
in der Vergangenheit eine tiefe Beinvenenthrom-bose
unerkannt abgelaufen ist und bei denen die CVI das erste
Anzeichen hierfür darstellt.
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Abbild.4
Schematische Darstellungen
der Strömungsbedingungen in den tiefen Leitvenen
bei antegrader u. retrograder venöser Insuffizienz:
a. Normale Verhältnisse (entsprechend dem dynamischen
Zyklus von Arnoldi)
b. Retrograde Strömungs-Insuffizienz.
In der Systole kräftiger antegrader Flow, oftmals
aber auch Verminderung durch gleichzeitige antegrade
Strömung-
Insuffizienz. In der Diastole retrograde unerschöpfliche
Strömung in Orthostase und beim Valsalva-Test
c. Antegrade Strömungsinsuffizienz. Eingeschränkte
Drainage und Pump-Funktion durch Ausfall oder überforde-rung
der peripheren Venenpumpen. |
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Es gibt zwei Formen der chronisch-venösen
Insuffizienz (Hach und Hach-Wunderle 1994). Bei der
überwiegend retrograden Insuffizienz sind die Klappen
der Leitvenen nicht schlußfähig. In Orthostase
oder beim Preßversuch fließt das Blut deshalb
in zentrifugaler Richtung zurück. Diese Bedingungen
liegen beim postthrombotischen Syndrom mit voll-ständiger
Rekanalisation und Zerstörung der Venenklappen
oder bei kongenitalen Dysplasien mit Avalvulie vor (Abbildung
4).
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Corona phlebectatica paraplantaris
und Unterschen-kelödem. Die ersten Symptome
einer CVI sind die Corona phlebectatica paraplantaris
(Abb.5), intrakutane Venekta-sien am medialen und evtl.
auch am lateralen Fußrand sowie das Unterschenkelödem,
das zu-nächst prätibial und im Bereich der
Bisgaard-Kulissen auftritt
Hyperpigmentierungen. Bei
weiterem Fortschreiten des Krankheitsbildes kommen häufig
Hyperpigmentierungen durch Hämodiserinablagerungen
zu Grunde gegangener Erythro-zyten, die auch als Dermite
ocre oder Purpura jaune d'ocre bezeichnet werden, im
Unterschenkelbereich hinzu (Abb. 6).
Dermatoliposklerose.
Chronisch rezidivierende Entzün-dungsprozesse führen
zum sklerotischen Umbau der Haut und des Unterhautfettgewebes
und letztendlich auch in der Muskelfaszie. Klinisch
äußert sich dies in Indurationen im distalen
Unterschenkelbereich, die zunächst entzündlich
und später im chronischen Stadium nichtentzündlich
sein können. Diese als Dermatoliposklerose bezeichneten
Veränderungen können lokalisiert vorliegen,
aber auch großflächig sein und letzt-endlich
zirkulär den gesamten Unterschenkel umschließen
(Abb. 7).
Atrophie blanche
Verschlüsse intrakutaner Kapillaren führen
zur Atrophie blanche (Synonym: Capillaritis alba), einer
weißlichen Atrophie der Haut, in der stecknadelkopf-artig
erweiterte Kapillarschlingen angeordnet sind. Die Atrophie
blanche kann sehr schmerzhaft sein und neigt bei geringen
Verletzungen zur Ulzeration (Abb. 8).
Ulcus cruris.
Letztendlich können die Veränderungen fort-schreiten
und zum Ulcus cruris führen, das am häufigsten
am medialen distalen Unterschenkel lokalisiert ist (Abb.
9). Je nach Lokalisation und Ausprägung der venösen
Veränderungen sind aber auch andere Lokalisationen
möglich (Beispiel: Ulcus cruris am lateralen Unterschenkel
bei Parvavarikose).
Arthrogenes Stauungssyndrom
und Osteopathia phlebopathica. Kommt es im Rahmen
der chronisch entzündlichen Veränderungen
zu einer zunehmenden Einsteifung im Bereich des oberen
Sprunggelenkes so wird dies als arthrogenes Stauungssyndrom
bezeichnet. Durch den damit verbundenen weitgehenden
Ausfall der Gelenk- und Muskelpumpen verschlechtert
dieser Zustand die CVI entscheidend. In seltenen Fällen
wird im Rahmen des chronischen entzündlichen Geschehens
auch eine Kalzifikation bzw. Ossifikation im Gewebe
beobachtet. Die Druckschmerz-haftigkeit der Tibiakante
bei der CVI wurde als Osteopathia phlebopathica beschrieben.
Diagnostik 
Ziel der
Diagnostik ist es, das Ausmaß und die Ausprägung
der Varikose vollständig zu erkennen und einzuordnen.
Hierzu müssen der proximale und distale Insuffizienzpunkt
und in diesem Zusammenhang Krosseninsuffizienzen und
Perfo-ranteninsuffizienten sowie die Komplexität
des Rezirkulations-kreises erkannt werden. Zusätzlich
wird mit funktionellen Methoden die Ausprägung
der varikosebedingten Funktionsstörung erfasst.
Das Ausmaß der erforderlichen Diagnostik hängt
von der Varikoseform sowie von der geplanten Therapie
ab. So reicht in der Regel bei der intra-kutanen Varikose
die Basisdiagnostik aus, vor operativen Eingriffen ist
eine bildgebende Diagnostik notwendig.

Basisidiagnostik
Die Basisdiagnostik bei CVI beinhaltet Anamnese und
klinische Untersuchung sowie Dopplersonographie und
die überprüfung des Venensystems mit einem
plethysmographischen Verfahren
Anamnese. Bei der Anamneseerhebung sollten familiäre
Belastung, Begleiterkrankungen, Medikamenteneinnahme,
Risikofaktoren, berufliche Belastung, sportliche Aktivitäten,
Operationen, Traumatisierung der unteren Extremitäten
und der Beckenregion, Anzahl und Komplikationen von
Schwan-gerschaften, Phlebitiden, Thrombosen, subjektive
Symptome und phlebologische Vorbehandlungen erfragt
werden.
Klinische Untersuchung. Die klinische Untersuchung
beinhaltet die Inspektion mit Beschreibung und Dokumenta-tion
von Corona phlebectatica paraplantaris, UI-cus cruris
und Narben sowie die Palpation des ödems der Dermatoli-posklerose
und von vorhandenen Faszienlücken. Bei der klinischen
Untersuchung sollte der gesamte venöse und arterielle
Gefäßstatus einschließlich Pulstastbefund
zur Erfassung der pathologisch veränderten Gefäßabschnitte
berücksichtigt werden. Eine medizinische Ganzkörperunter-suchung
sollte eine orientierende neurologische und ortho-pädische
Beurteilung einschließen, da Patienten, die wegen
Beinbeschwerden bei CVI den Arzt aufsuchen, häufig
Befunde in einem dieser Bereiche aufweisen.
Dopplersonographie. Mit der Dopplersonographie
gelingt in der Regel die Lokalisation
der insuffizienten Venenab-schnitte am epifaszialen,transfaszialen
und subfaszialen Venensystem. Allerdings ist mit dieser
Methode keine genaue morphologische Diagnostik möglich.
Auch kann es zu Fehlbeur-teilungen in anatomisch schwierigen
Regionen wie der Kniekehl
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Abb. 5
Corona phlebectatica paraplantaris |
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Abb. 6
Hyperpigmentierung bei CVI |
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Abb. 7
Dermatoliposklerose bei CVI |
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Abb. 8
Atrophie blanche bei CVI |
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Abb. 9
Ulcus cruris venosum |
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| kommen. Die überprüfung
der arteriellen Versorgung erfolgt neben dem Pulstastbefund
durch die Dopplersonographie der Beinarterien mit Ermittlung
des Knöchelarteriendrucks in Korrelation zu den Armarteriendrucken.
Plethysmographische Verfahren. Als Screening wird
die Funktion des Venensystems untersucht mit einem plethysmographischen
Verfahren wie der Lichtreflexionsrheographie oder der
digitalen Photoplethysmographie. Bei pathologischen Werten
wird die Besserbarkeit mittels Okklusion der insuffizienten
oberflächlichen Venenabschnitte (Tourniquet-Test)
geprüft. Die Normalisierung der pathologisch verkürzten
venösen Wiederauffüllzeit im Tourniquet-Test
weist auf ein funktionell intaktes tiefes Venensystem
hin.

Zusatzdiagnostik
Die Zusatzdiagnostik gliedert sich in bildgebende Verfahren
und funktionelle Untersuchungen auf.
Bildgebende Verfahren. Zur Entscheidung, ob eine
invasive Therapie bei CVI sinnvoll oder durchführbar
ist, stehen weitere diagnostische Methoden zur Verfügung.
Hinsichtlich der bild-gebenden Verfahren sind dies die
ggf. farbkodierte Duplexsonographie und die aszendierende
Pressphlebographie. Mit beiden Methoden können die
morphologischen Veränderungen gut lokalisiert werden.
Dabei sind die Vorteile der Duplexsonographie die Nichtinvasivität
und die gleichzeitige Möglichkeit, die Klappenfunktionen
zu überprüfen. Vorteil der Phlebographie ist
die bessere und komplettere übersichtliche Dokumentation
der Befunde.
Funktionsdiagnostik. Für die weiterführende
Funktionsdiagnostik steht die Phlebodynamome-trie zur
Verfügung, die auch in Kombination mit der Phlebographie
durchgeführt werden kann. Mit der Venenverschlussplethysmographie
kann zusätzlich die Durchgängigkeit des Venensystems
funktionell erfasst werden.
MRT und Kompartmentdruckmessung. Bei
seltenen Indikationen wie dem ausgeprägten chronischen
Faszienkompressionssyndrom kommt der MRT und der Kompartmentdruckmessung
eine gewisse Bedeutung zu. |
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Copyright © 2008 Prim. Dr.
Thomas MACA. Alle Rechte vorbehalten. |
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