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Physikalisch-therapeutische Maßnahmen
spielen in der Behandlung der Varikose sicherlich eine
nachrangige, bei den anderen Venenerkrankungen aber
eine ungemindert wichtige Rolle, die leider oft unerkannt
bleibt. Neben den physikalischen Maßnahmen bildet
die Kompressions-therapie die eigentliche Grundlage
der Behandlung akuter und chronischer Venenkrankheiten.
Physikalische
Therapie
Nach Abklärung
der Erkrankungsätiologie steht immer zuerst die
kausale Therapie im Vorder-grund, d. h. es ist zu klären,
ob eine kausal besserbare oder sogar sanierbare Erkrankungsform
vor-liegt. In diesen Fällen spielt die physikalische
Therapie allenfalls die Rolle einer Hilfestellung, um
die Zeit bis zur kausalen Behandlung zu überbrücken.
Danach hat sie dann den Stellenwert einer Prophylaxe,
soweit dies möglich ist. Es muss in diesem Zusammenhang
jedoch eindeutig zugegeben werden, dass auch intensivste
Bemühungen im Sinne der physikalischen Therapie
das Auftreten oder Fortschreiten eines Venenleidens
nicht grundsätzlich verhindern können. Ganz
sicher aber können Beschwerden und Symptome und
im Idealfall auch die Rezidivquote z. B. für Ulzera
verringert werden. Grundsätzlich sind die nachfolgenden
überlegungen zum therapeu-tischen Einsatz physikalischer
Maßnahmen auch auf die Prophylaxe anwendbar.
Physikalische Maßnahmen bei
Venenerkrankungen, deren positive Wirkung auf das Venensystem
von oben nach unten zunimmt:
 Bewegung
im warmen Thermalwasser 
 Kalte
Güsse
 Kneipp-Wassertreten
 Laufen
auf Sandboden im Wasser
 Schwimmen
im Wasser unter 29°C, je kühler, desto besser
 Wassergymnastik
 Krafttraining
im Wasser, z. B. Wasserwalking Sprunggelenks- und Krafttraining
mit hoch liegenden
Beinen
Tabelle:
Beurteilung verschiedener Sportarten bei CVI
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Hammersen konnte unter Kompressionstherapie
eine Verbesserung der strukturellen Verände-rungen
der varikösen Venenwand nachweisen. Auch eine er-höhte
fibrinolytische Aktivität konnte gezeigt werden.
Durch die Kompressionsbehandlung wird allerdings auch
der Druck auf den arteriellen Schenkel erhöht,
so-dass hei arterieller Verschlusskrankheit extreme
Vorsicht geboten ist.

Phlebologischer Kompressionsverband
Der
phlebologische Kompressionsverband kann als Wech-selverband
oder als Dauerverband mit unterschiedlichen Bindenmaterialien
konzipiert werden. Die Binden stehen aus wiederverwendbaren
und nicht wiederverwendbaren Materialien zur Verfügung.
Kohäsive und adhäsive Binden sowie die Zinkleimbinden
werden in erster Linie für Dauer-verbände
verwandt. Die verwendeten Binden können eine unterschiedliche
Elastizität aufweisen. Wir unterscheiden:
 unelastische
Binden, 
 Kurzzugbinden
mit einer Dehnbarkeit bis 60%
 Mittelzugbinden
mit einer Dehnbarkeit bis 140%
 Langzugbinden
mit einer Dehnbarkeit über 140%
Wegen des
höheren Arbeitsdruckes und des niedrigeren Ruhedruckes
unter dem Verband, die in der Regel bei den phlebologischen
Indikationen vorteilhaft sind, werden zumindest im deutschsprachigen
Raum Kurzzugma-terialien für PKV bevorzugt. Einige
wichtige Prinzipien müssen beim Anlegen eines PKV
berücksichtigt werden. In der Literatur findet
sich eine Vielzahl von individuellen Verbandtechni-ken,
oft mit Eigennamen belegt, bei denen genaue Vorschriften
zum Anlegen des Kompressions-verbandes und zum verwendeten
Bindenmaterial gemacht werden (Abb. 2 und 3). Unabhängig
davon, welcher Verbandtechnik der Vorzug gegeben wird,
sollten gemäß den Leitlinien der Deutschen
Gesellschaft für Phlebologie einige wesentliche
Prinzipien beim Anlegen eines PKV beachtet werden.
 Der
Verband sollte möglichst nur angelegt werden bei
einer Sprunggelenksstellung
im Winkel von 90°.
 Die
Ferse wird mit eingebunden.
 Der
Verband deckt die Zehengrundgelenke mit ab.
 Der
Unterschenkelkompressionsverband (2 Binden) wird bis
zum Fibulaköpfchen, der Oberschenkelkom- pressionsverband
bis zum proximalen Oberschenkel ausgeführt.
 Der
Druck des Verbandes nimmt von distal nach proxi- mal
ab.
 Der
Verband darf weder Druckstellen und Schnür- furchen
noch Schmerzen verursachen.
 Das
Material des PKV und die Anlagetechnik müssen den
Erfordernissen des jeweiligen Befundes (Ulkus, Stauungs-
dermatose, Dermatoliposklerose) angepasst werden.
 Zur
Vermeidung von Druckstellen muss gegebenen-falls gemäß
dem Laplace-Gesetz lokal auf-/abgepolstert werden.
Sprunggelenkstellung. Das
Anlegen des Verbandes bei einer Sprunggelenkstellung
im Winkel von 90° ist beson-ders wichtig, da der
Umfang im Bereich des Sprungge-lenkes bei 90° etwa
1,5 cm größer ist als bei Plantarflexion
des Fußes. Ein in Flexionsstellung ange-legter
Kompressionsverband wäre also in stehender Position
viel zu eng und würde eine schmerzhafte Schnürfurche
hervorrufen. Unter- oder Oberschenkel-verband. Der PKV
kann als
Unter- oder
Oberschenkelverband ausgeführt werden. Für
die meisten Indikationen, beispielsweise beim Ulcus
cruris venosum oder bei den meisten Fällen der
chronischen venösen Insuffizienz, reicht der Unterschen-kelkompressionsverband
aus. Bei der proximalen tiefen Beinvenenthrombose, der
Varikophlebitis im Oberschen-kelbereich oder nach Operationen
und Verödungen proximal des Unterschenkels ist
aber ein Oberschen-kelkompressions-verband erforderlich.
Das Gleiche gilt für die chronische venöse
Insuffizienz mit ausgeprägten Veränderungen
in der Oberschenkel- und Becken-strombahn, wenn diese
mit einer ödemneigung auch im Oberschenkelbereich
einher-geht, sowie in der Regel für die Therapie
des Lymphödems.
Abnehmender Druck von
distal nach proximal. Der abfallende Druck des Verbandes
von distal nach proximal wird nicht dadurch erreicht,
dass distal mit einem stärkeren und proximal mit
einem geringeren Zug an der Binde gearbeitet wird. Vielmehr
fällt der Kompres-sionsdruck bei gleichmäßigem
Zug an der Binde auf Grund des Laplace-Gesetzes mit
zunehmendem Radius von distal nach proxi-mal automatisch
in diese Richtung ab.
Vermeidung von
Schnürfurchen. Um Schürfurchen zu vermeiden,
darf die Binde nicht in eine beliebige Richtung gezogen
werden, sondern muss frei laufen, wobei Ober- und Unterkante
der Binde den gleichen Auflage-druck haben. Bei dieser
Technik entstehende Lücken im Verband werden mit
der nächsten Binde abgedeckt. Die nach außen
geführte Bindenrolle gewährleistet, dass der
Verband eng am Bein geführt wird.
Ab- und
Aufpolsterung. Gemäß des Gesetzes von
Laplace können kleine Radien wie die Knöchelregion
und die Schienbeinkante oder die Achillessehne zur Vergrößer-
ung des Radius abgepolstert werden, während sich
bei flächigen Regionen die Aufpolsterung zur Verkleinerung
des Radius bewährt hat. Dies trifft insbesondere
in der Therapie des Ulcus cruris zu. Hier kann das Auf-bringen
eines Schaumstoffpolsters zur Verkleinerung des Radius
über dem Ulkus und zur Druckverstärkung durch
die Binde zu einer rascheren Abheilung führen.
Als Polstermaterialien kommen wenig komprimierbare Schaumstoffe
und Watte in Betracht. Es ist darauf zu achten, dass
die Kanten abgeschrägt sind, da ansonsten im Randbereich
ein Randödem bis hin zur Blasenbildung auftreten
kann. Die Verordnung der MKS erfolgt auf einem Hilfsmittelrezept
unter Angabe der Anzahl, der Länge und der Kompressionsklasse
der medizinischen Kompre-ssionsstrümpfe. Bei speziellen
Befestigungen müssen diese auf dem Rezept vermerkt
werden. Ist eine Maßanfertigung erforderlich,
so muss dies ebenfalls auf dem Rezept aufgeführt
sein. Die routinemäßige Angabe nach Maß,
wenn erforderlich ist nicht sinnvoll, da die Entscheidung
hierüber dann einzig und allein dem ausführenden
Sanitätshaus überlassen wird. Eine aus-schließliche
Maßanfertigung verlangt der Kompressions-strumpf
der Kompressionsklasse IV. In der Kompres-sionsklasse
111, insbesondere bei deformierten Beinmaßen,
ist häufig eine Maßanfertigung erforderlich.
Auf keinem Kompressionsstrumpfrezept darf die Diagnose
fehlen Auf dem Rezept kann auch die genaue Produktbe-zeichnung
des Kompressionsstrumpfes an-gegeben werden, entweder
direkt oder anhand der Hilfsmittel-nummer. Dazu ist
es erforderlich, dass der Verordner eine Auswahl von
Produkten verschiedener Hersteller kennt um
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Abb. 1.
Aber auch der medizinische Kompressionsstrumpf erzielt
eine ausreichende Kompression um die Verödung
zu fordern. Er ist bei Patien-ten angezeigt, die
keine Bandage tragen können oder möchten.Er
wird auch nach Abschluß der Behandlung getragen
wenn eine CVI mit der Gefahr einer Verschlimmerung
besteht. |
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Abb. 2.
Wichtigste Zusatzmaßnahme nach Verödung
bleibt der Kompres-sionsverband. Er verfolgt das
Ziel, das Kaliber der injizieren Varizen und somit
den entstehenden Thrombus so weit wie möglich
zu verkleinern, um eine gute Verödung zu erreichen.
Er soll auch die perivenösen Entzündungen
verhindern. |
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Abb. 3.
Ein Kompressionsverband verbessert nicht das Resultat
einer Besenreiserverödung. Er wird aber unerlässlich
nach der Sklerosierung von subkutanen Varizen, besonders
am Unterschenkel, wo er der dilatierenden Wirkung
der hohen Venendrucke entgegenwirkt de auch tut
die Rekana-lisation des Verödungsthrombus verantwortlich
sind. Am besten eignen sich Mittelzugbinden, die
am Unter-schenkel als Kreuzverband angelegt werden. |
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Abb. 4.
Die gezielte Streckenkompres-sion verfolgt das Ziel
der selektiven Kompression eines behandelten Varizenabschnitts.
Dazu eignen sich Zellstoffröllchen, und nach
Maß geschnittener Schaumgummi, Silikon-streifen,
u.a. Damit wird ein ständiger Druck auf de
verödete Strecke ausgeübt: Die Verödung
gelingt besser. |
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Abb. 5.
Eine Pelottenkompression erreicht das gleiche Ziel,
aber nur lokal auf einer kleinen Flache entweder
auf einem Varizenknauel oder einer insu-ffizienten
Vena perforans. Manche Autoren komprimieren systematisch
jede Injektionsstelle mit einer solchen Pelotte
ohne den gesamten Unter-schenkel einzubinden. |
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